
Hildegard, wobei erwischen wir dich gerade?
Hildegard Rüegg: Ich katalogisiere die aktuellen Maturaarbeiten. Das ist eine meiner Lieblingsbeschäftigungen, denn so habe ich immer eine gute Ausrede, mir die Arbeiten genauer anzuschauen... (lacht) Mittlerweile kommen jedes Jahr gut 200 Abschlussarbeiten aus unseren verschiedenen Abteilungen zusammen, die alle katalogisiert und mit Schlagwörtern versehen werden müssen. Es ist immer total spannend zu sehen, wie vielfältig die Themen sind.
Du arbeitest als Bibliothekarin in unserer Mediothek. Woraus besteht dein weiterer Arbeitsalltag?
Hildegard Rüegg: Es ist eine sehr vielfältige Arbeit: Ich besetze die Infothek, kümmere mich um die Bestandespflege, wähle Neuzugänge aus und organisiere Archivrecherche sowie Fernleihen. Hier in der Mediothek der Kantonsschule gehört auch viel Aufsicht dazu, also der konkrete Kontakt mit den Schülerinnen, Schülern und Mitarbeitenden. Sie kommen mit allen möglichen Fragen und Anliegen zu mir – von Druckerproblemen bis hin zu Buchempfehlungen. Da unterstütze ich sie gerne.
Hier ist immer viel los, wenn ich mich umschaue...
Hildegard Rüegg: ... ja, wir verstehen uns einerseits als Medien- und Informationszentrum, sind in der konkreten Nutzung aber weit mehr als «nur» eine Mediothek. Neben der Mediennutzung kommen die Schülerinnen und Schüler hierher, um zu arbeiten, zu lernen, sich auszutauschen, eine Freilektion zu überbrücken, zu gamen oder auch mal zu schlafen. Sie fühlen sich wohl hier – die Sofas im hinteren Bereich sind immer als Erstes besetzt!
Was lässt sich zur aktuellen Mediennutzung der Jugendlichen sagen?
Hildegard Rüegg: Auch im Zeitalter von KI gibt es sie noch, die Gruppe, welche unser belletristisches Angebot ausgiebig nutzt! Dabei fällt auch uns die Popularität des durch #BookTok stark verbreiteten Genres «Young Adult» auf – also Literatur, die sich vor allem an Jugendliche und junge Erwachsene richtet und häufig Themen wie Identität, Freundschaft, Liebe und Selbstfindung behandelt. Gleichzeitig lässt sich am Nutzungsverhalten der Schülerinnen und Schüler auch der Medienwandel ablesen: Unsere CD-Sammlung haben wir schon längst aufgelöst und DVDs sind heute überhaupt kein Thema mehr – ausser vielleicht bei einigen Lehrpersonen... (lacht)
Wie bist du zu deinem Beruf gekommen?
Hildegard Rüegg: Ich habe Bücher schon immer geliebt und viel gelesen. Allerdings ist das nicht mein erster Beruf: Ich war ursprünglich psychiatrische Krankenschwester, habe später in den USA Psychologie studiert und einen PhD begonnen. Mit den Kindern hat sich mein beruflicher Weg dann noch einmal verändert und mich schliesslich in die Bibliotheksarbeit geführt.
Nun gehst du im Sommer in deinen wohlverdienten Ruhestand. Was wirst du vermissen?
Hildegard Rüegg: Natürlich die Menschen! Für mich sind es immer die Menschen! An der Kantonsschule gibt es extrem viele spannende, lustige und bereichernde Persönlichkeiten. Das geniesse ich jetzt noch in vollen Zügen bis Ende Juni.
Interview: David Thalmann / Bild: Lukas Diel (3i)
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Dieses Interview ist gekürzt im Frühling 2026 in der Printausgabe der «pause» erschienen.