Bühne frei für die kuppelbare Seilbahn aus dem 3D-Drucker

Die Drittklässlerinnen und Drittklässler der Informatikmittelschule (IMS) haben am Donnerstag ihre Semesterarbeiten präsentiert. Entstanden ist unter anderem eine Seilbahn. Im Interview spricht Lukas Diel (3i) über sein Projekt – und über eine Rettungsaktion: In Saas Fee hat er eine echte Gondelbahn vor dem Ende bewahrt.

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Alles möglich! Das hat die dritte IMS-Klasse unter Beweis gestellt. 21 Schülerinnen und Schüler haben am Donnerstagnachmittag ihre Semesterarbeiten präsentiert. Nach der Begrüssung durch Abteilungsleiter Walter Schnyder hat auch Lukas Diel (3i) sein Projekt vorgestellt: eine funktionsfähige und kuppelbare 3S-Seilbahn. Er hat alles selbst gemacht: Planung, Konstruktion und Programmierung der Steuerung. Unspektakulär ist nur das Seil der Bahn: Eine gewöhnliche Schnur aus dem Supermarkt trägt die roten Gondeln, die auf der Bühne in der Aula im Neubau hin- und herfahren.

Kuppelbar heisst, dass sich Seilbahngondeln in der Station vom Zugseil lösen, damit man bequem ein- und aussteigen können. Hier erläutert Lukas Diel dieses Prinzip anhand eines Modells.

Lukas Diel, wie viele Arbeitsstunden stecken in Ihrem Projekt?

Lukas Diel: Das ist eine gute Frage. So grob überschlagen würde ich sagen, dass es mindestens 300 Stunden waren, davon allein 50 Stunden fürs Programmieren.

Was genau mussten Sie programmieren?

Lukas Diel: Ich habe die Steuerung für die Seilbahn programmiert. Sie verfügt über verschiedene Modi, die ich über ein selbstgebautes Stehpult steuern kann.

Sämtliche Teile für die Seilbahn haben Sie selbst am Computer gezeichnet. Wie haben Sie sich die CAD-Kenntnisse beigebracht?

Lukas Diel: Mit zwei YouTube-Tutorials. Danach habe ich einfach drauflos probiert. Zuvor hatte ich noch nie mit einem CAD-Programm gearbeitet.

Welches waren die grössten Herausforderungen beim Drucken und Montieren der Teile?

Lukas Diel: Die Ungenauigkeit des 3D-Drucks war meine grösste Herausforderung. Auch wenn heutzutage 3D-Drucker auf den Zehntelmillimeter genau drucken, hat dies bei den Getriebeteilen zu diversen Problemen geführt. Zudem war die Hitzebeständigkeit und Stabilität des Materials ein Problem.

Was fasziniert Sie an Seilbahnen?

Lukas Diel: Die Funktionsweise. Das hat mich schon als Kind fasziniert. Darum wollte ich es vor einigen Jahren auch nicht tatenlos hinnehmen, dass die Hannigbahn in Saas-Fee ersatzlos zurückgebaut wird. Daraufhin habe ich im Hotel eine Spendenkasse aufgestellt. Zwei Tage später waren etwa 200 Franken zusammen, die ich der Verwaltung übergeben habe.

Und? Hat es etwas gebracht?

Lukas Diel: Nach langem Hin und Her haben sich die Gemeinde, der Tourismusverband und der Bergbahn-Betreiber dazu entschieden, die Bahn zu ersetzen. Zwei Wochen vor der Eröffnung im Jahr 2024 erhielt ich eine Einladung. Bei der Ansprache des Gemeindepräsidenten wurde ich plötzlich gebeten, nach vorne zu kommen. Ganz überrascht stand ich auf, da zog er einen Zettel aus der Hosentasche. Es war der Buchungsbeleg vom Geld, das ich gesammelt habe. Er meinte, dass meine Initiative entscheidend dazu beigetragen habe, dass man entschieden habe, die Bahn zu ersetzen.

Nach drei Jahren IMS steht bei Ihnen im Sommer nun ein einjähriges Betriebspraktikum an. Wo absolvieren Sie dieses?

Lukas Diel: Bei Stadler Rail in Bussnang. Dort werde ich damit beschäftigt sein, das Überwachungssystems eines Zuges mitzuprogrammieren.

Und wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Lukas Diel: Ich habe noch keinen konkreten Plan, aber ein Studium wie «Multimedia Production» würde mich sehr interessieren, da ich sehr gerne mit Medien arbeite und gerne fotografiere.

Fragen: DUL / Bilder und Video: zVg