Talentförderung an der Kanti Frauenfeld

«Es fühlt sich an wie im Traum!»

Johanna Thüer hat ereignisreiche Frühlingsferien hinter sich: Mit der U19-Frauen-Nationalmannschaft qualifizierte sich die Maturandin aus der 4ma für die Europameisterschaft, die im Juli in Bosnien-Herzegowina stattfindet. Der 2:0-Sieg im entscheidenden Spiel gegen England war ein Highlight – ebenso ihr erstes Nati-Tor wenige Tage zuvor gegen Wales. Kurz vor dem Schulstart beantwortete die Verteidigerin einige Fragen für pause Online.



Johanna, wir dürfen Ihnen gleich dreifach gratulieren! Beginnen wir mit dem sportlichen Erfolg: Wie haben Sie das EM-Qualifikationsturnier in den Frühlingsferien erlebt? 
«Momentan fühlt es sich noch immer wie ein Traum an. Besonders schön war, dass wir diese zweite Qualifikationsrunde in der Schweiz spielen konnten – vor unseren Freundinnen und Freunden, Geschwistern und Eltern auf der Tribüne. Nach zwei Siegen und der Niederlage Englands gegen Wales wurde uns bewusst, dass wir kurz davorstanden, uns für die EM zu qualifizieren. Wir haben diese Zeit sehr genossen. Ich habe meine Mitspielerinnen noch besser kennengelernt und schätzen gelernt. Ich bin unglaublich stolz auf jede Einzelne, auf unser Team als Ganzes und auf das, was wir gemeinsam erreicht haben.»

Welchen Anteil hatten Sie als Verteidigerin am Erfolg der Mannschaft?
«Als Verteidigerin kann ich dem Team Sicherheit und Stabilität geben. In der Innenverteidigung habe ich einen guten Überblick über das Spiel, kann meine Mitspielerinnen entsprechend dirigieren und gezielt den Spielaufbau gestalten. Am Ende braucht es jedoch alle: das gesamte Team – auf dem Platz und auf der Bank – sowie den ganzen Staff, um erfolgreich zu sein.»

1:0 für die Schweiz gegen England: Torschützin Giorgia Bianchi (Mitte) und Johanna Thüer (rechts)

Im achten Länderspiel gelang Ihnen gegen Wales Ihr erstes Tor für die Nati. Was bedeutet Ihnen dieser Moment? 
«Da ich als Innenverteidigerin nur selten in Abschlussposition komme, habe ich mich riesig über das Tor gefreut. Besonders schön war, dass es vor heimischer Kulisse gefallen ist – vor meiner Familie sowie meinen Freundinnen und Freunden. Ich war überglücklich, dass ich dem Team helfen und meinen Beitrag zum Sieg gegen Wales leisten konnte.»
 
Der zweite Grund zur Gratulation: Ihr 18. Geburtstag am Donnerstag. Welche Wünsche haben Sie für Ihr neues Lebensjahr?
«Zunächst möchte ich die Kanti im Juni mit der Matura erfolgreich abschliessen. Danach will ich mich ganz auf den Fussball konzentrieren – vorausgesetzt, ich bleibe gesund und fit. Ich hoffe auf erfolgreiche Playoffs mit meinem Verein St. Gallen, auf eine tolle EM im Juni/Juli mit der Nationalmannschaft und auch in der kommenden Saison auf viele Erfolge und weiterhin grosse Freude – sowohl mit der Nati als auch mit dem FC St. Gallen.»
 
Nun stehen intensive letzte Schulwochen an der Kanti Frauenfeld bevor – mit den Maturitätsprüfungen im Juni. Wie gehen Sie diese Phase an?
«Ich denke, es wird kein einfacher Schlussspurt – insbesondere, da auch im Fussball einige wichtige Termine anstehen. Es wird definitiv eine intensive Zeit für mich. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass diese wenigen Wochen schnell vergehen werden. Mit den Prüfungsvorbereitungen habe ich bereits begonnen und versuche, diese Phase gelassen anzugehen und mich nicht zu sehr unter Druck zu setzen.»

Sie haben in den vergangenen Jahren von der schulinternen Talentförderung an der Kanti Frauenfeld profitiert. Wie ist es Ihnen gelungen, Schule und Spitzensport miteinander zu vereinbaren? 
«In den letzten Jahren – insbesondere im vergangenen Jahr – bestimmten vor allem Sport und Schule meinen Alltag. Das erforderte viel Durchhaltevermögen und grossen Willen. Gleichzeitig durfte ich auf viel Unterstützung aus meinem Umfeld zählen. Ich bin der Schule sehr dankbar für die grosszügigen Dispensationen, sei es für Morgen- oder Nachmittagstrainings, für Trainingslager oder für Zusammenzüge mit der Nationalmannschaft. Meine Lehrerinnen und Lehrer haben mich beim Aufarbeiten des verpassten Stoffs und beim Nachholen von Prüfungen unterstützt. Auch meine Trainerinnen und Trainer zeigten Verständnis, wenn ich aus schulischen Gründen einmal fehlte. Nicht zuletzt steht meine Familie jederzeit hinter mir und unterstützt mich in allem.»
 
Die dritte Gratulation betrifft Ihre sportliche Zukunft: Beim FC St. Gallen haben Sie kürzlich einen langfristigen Vertrag bis 2029 unterschrieben. Welche Ziele verfolgen Sie mit der Mannschaft, kurz- und langfristig?
«Für diese Saison wollen wir in den Playoffs zwar von Spiel zu Spiel denken, gleichzeitig ist unser Ziel klar: Wir möchten möglichst erfolgreich sein und die Meisterschaft gewinnen. Mittelfristig will ich mich als Stammspielerin etablieren und im Team eine Leaderrolle übernehmen. In den kommenden Jahren möchte ich viele Erfolge feiern, idealerweise auch Titel gewinnen, und mich gemeinsam mit dem Team kontinuierlich weiterentwickeln.»
 
Johanna, vielen Dank für das Interview. Wir drücken Ihnen die Daumen – für das Saisonfinale mit dem FCSG, die Maturitätsprüfungen an der Kanti und natürlich für die U19-EM im Sommer!
 
Hinweis zum nächsten Spiel von Johanna Thüer: Die Frauen des FC St. Gallen treffen im Playoff-Viertelfinal auf den FC Basel: am kommenden Samstag, 25. April 2026, um 18 Uhr, im Kybunpark St. Gallen.


Bilder: SFV (2), Agash Modchanathan/SFV (2) und Matias Dushi/Infinityshots (2)
Interview: Thomas Moll