
Am Freitag, 29. Mai, ist es so weit: Der Salamander steht an. Was machen Sie da? Welche Bedeutung hat der Anlass?
Julien Doujak: Der Salamander gilt innerhalb der Thurgovia als höchste Form der Ehrung. Wir aktiven Verbindungsmitglieder beenden mit einem ritualisierten Anlass unsere Zeit in der Aktivitas.
Das heisst, Ihre aktive Verbindungszeit endet diese Woche. Welche Gefühle kommen bei Ihnen hoch, wenn Sie daran denken?
Julien Doujak: Ich muss ehrlich sagen, ich freue mich auf den Salamander, aber gleichzeitig auch nicht. Einerseits freue ich mich auf den Tag und auf die letzte Zeit, die ich mit den anderen verbringen darf, so wie in den vergangenen zwei Jahren. Andererseits ist es auch ein trauriger Anlass, da er eben das Ende unserer aktiven Zeit darstellt.
Wie würden Sie die Thurgovia jemandem erklären, der noch nie davon gehört hat?
Julien Doujak: Die Thurgovia ist eine der drei Verbindungen der Kanti Frauenfeld. Wir treffen uns regelmässig am Freitagabend zu einem gemütlichen Beisammensein, und um aktuelle Traktanden und unsere Quartalslektüre zu besprechen. Hauptsächlich würde ich aber sagen, ist die Thurgovia ein Verein, bei dem man Freundschaften fürs Leben schliessen kann, und wo man einen regelmässigen Austausch hat mit Menschen – auch über die verschiedenen Abteilungen hinweg und auch mit ehemaligen Schülern, die bereits vor vielen Jahren abgeschlossen haben. Man hat also auch Begegnungen mit Leuten, die man sonst vielleicht nicht kennenlernen würde.
Welche Werte oder Ziele verfolgt die Verbindung?
Julien Doujak: Die Devise unserer Verbindung ist «Litteris et Amicitae» - also «Literatur und Freundschaft». Unser grosses Ziel ist, dass wir uns in der Lektüre und im Vortrag stärken, gleichzeitig aber auch die Freundschaft festigen.
Was lesen Sie denn im Moment gerade?
Julien Doujak: Im Moment lesen wir Der Sandmann von E.T.A. Hoffmann. Was gelesen wird, wird von allen gemeinsam ausgewählt. Meistens ist es aber ein Buch, das auf den Lektürelisten der Abschlussklassen steht.
Wie sieht ein typischer Verbindungsabend bei Ihnen aus?
Julien Doujak: Wir treffen uns jeweils am Freitagabend. Um 17 Uhr kommen die Fuxen – die junge Generation – zur «Fuxenstunde» mit dem Fuxmajor zusammen, um die Kanten (Lieder der Verbindung) und die allgemeinen Regeln zu lernen. Um 19 Uhr beginnt dann der offizielle Akt im Neubau der Kanti. Zuerst werden aktuelle Traktanden besprochen, dann gibt es, wenn möglich, einen Vortrag von einem der Fuxen, anschliessend folgt die Besprechung des Buches in einer Diskussionsrunde. Um 20.30 Uhr geht es dann weiter im Keller im Brauhaus «Sternen». Der zweite Akt im Keller ist auch wieder ein gemütliches Beisammensein, wo wir uns unterhalten oder auch zusammen singen.
Was lernen Sie denn in der Verbindung, was Sie im Unterricht an der Kanti nicht lernen?
Julien Doujak: Ich würde sagen, man lernt eher, einen Vortrag persönlicher zu halten, sodass die Zuhörerschaft sich individuell davon angesprochen fühlt. Dann ist es auch eine ganz andere Art, wie man über die Lektüre spricht. Es ist nicht ganz so «erzwungen» wie manchmal im Unterricht. Man liest die Bücher ja auch freiwillig. Und man lernt auch vieles von Leuten, die die Schule bereits abgeschlossen haben. Mir zum Beispiel haben Empfehlungen für Abschlussarbeiten sehr geholfen – welche Fächer, welche Betreuungspersonen empfohlen werden.
Es gibt ja auch Vorurteile über die Verbindungen. Welche stimmen, welche nicht?
Julien Doujak: Besonders über die «Taufe», das Aufnahmeritual, gibt es viele Vorurteile. Die meisten davon stimmen, ehrlich gesagt, nicht. Aber wir haben die Regel, dass wir nicht öffentlich machen, was dort passiert. Und die Vorurteile darüber, dass am Freitag jeweils viel getrunken wird – auch das muss differenziert betrachtet werden. Es wird Bier angeboten, und es wird auch Bier getrunken. Aber wenn gesagt wird, die Verbindung sei nur ein «Suffverein», dann würde ich dem nicht zustimmen. Niemand wird zum Trinken gezwungen, und es gibt auch alkoholfreie Alternativen. Es ist eher ein Beisammensein mit einem Bier – das Bier steht dabei nicht an erster Stelle.
Pflegen Sie auch den Kontakt zu den anderen Verbindungen der Schule?
Julien Doujak: Ja, grundsätzlich schon. Im Moment vielleicht gerade etwas weniger, weil jede Verbindung darauf bedacht ist, neue Mitglieder zu bekommen. Deshalb kann man so fast ein bisschen auch von einem «Konkurrenzkampf» zwischen den Verbindungen sprechen, gerade zwischen der Thurgovia und der Concordia. Aber wir schauen schon, dass wir zusammenarbeiten und nicht «verfeindet» sind, wir möchten ja, dass möglichst beide Verbindungen Mitglieder haben.
Die Verbindungen haben zum Teil Mühe, Mitglieder zu finden. Woran könnte das liegen?
Julien Doujak: Die Zahl der Aktiven war bereits in vergangenen Jahren immer wieder einmal sehr tief, aber in darauffolgenden Jahren wieder sehr hoch. Wir sind daher zuversichtlich. Und es ist auch dieses Mal wieder so. Die zukünftigen Aktiven sind am ersten Freitag nach den Frühlingsferien aufgenommen worden. Auch bei der Licornia und der Concordia sieht es besser aus als im Vorjahr.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Verbindung?
Julien Doujak: Ich wünsche mir hauptsächlich, dass sie bestehen bleibt. Es ist eine schöne Tradition. Es ist auch etwas, was den Schulalltag erleichtern kann. Im Vergleich zu einem Verein gehört die Verbindung ja immer noch zur Schule, aber es ist eben auch eine Auflockerung im normalen Schulalltag.
Interview: Selina Tuchschmid / Bilder: zVg





