
Chantal Roth, was lösen die Baracken in Ihnen aus?
Chantal Roth: Persönlich habe ich keine besonders enge Beziehung zu den Baracken. Von den Schülerinnen und Schülern höre ich jedoch immer wieder Rückmeldungen zu den hohen Temperaturen im Sommer und zur insgesamt schlechten Isolation. Interessant ist, dass ehemalige Schülerinnen und Schüler oft eine gewisse Verbundenheit mit den Baracken äussern. Diese scheinen für viele ein wichtiger Teil ihrer Erinnerungen an die Kanti zu sein.
«Do han ich scho Schuel gha», sagen sogar schon Grosseltern von Schülerinnen und Schülern mit Nostalgie in der Stimme, wenn sie an der Kanti zu Besuch sind und die Baracken sehen. Mit der Eröffnung des Erweiterungsbaus im Frühjahr 2027 geplant gewesen, die acht Schulzimmer abzubrechen. Nun hat die Regierung entschieden, vier Baracken – die Baracken 5 bis 8 – noch nicht abzureissen. Warum?
Chantal Roth: Die vier verbleibenden Baracken sollen künftig als Aufenthalts- und Arbeitsräume für die Schülerinnen und Schüler genutzt werden. Ursprünglich war vorgesehen, im Rahmen der Sanierung des Hauptgebäudes zusätzliche Aufenthalts- und Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen, etwa einen Aufenthaltsraum im Dachgeschoss sowie bessere Verweilmöglichkeiten in den Fluren. Eine Machbarkeitsstudie des Hochbauamtes von 2022 ging davon aus, dass die Gesamtsanierung kurz nach der Fertigstellung des Erweiterungsbaus erfolgen könnte.
Das wird nicht der Fall sein. Wie sieht aktuell die Planung aus?
Chantal Roth: Nach aktuellem Planungsstand wird die Sanierung des Hauptgebäudes etappenweise über mehrere Jahre erfolgen. Die vorgesehenen zusätzlichen Aufenthaltsflächen stehen damit vorerst nicht zur Verfügung. Auch die Flure im Hauptgebäude können weiter nicht als Aufenthaltsflächen genutzt werden, unter anderem aus akustischen und feuerpolizeilichen Gründen. Die Türen zu den Unterrichtsräumen müssten sowohl brandschutz- und schalltechnisch ertüchtigt werden als auch weiterhin den Anforderungen des Denkmalschutzes entsprechen.

Bei Baubeginn des Erweiterungsgebäudes hat Regierungsrat Dominik Diezi gesagt: «Die Tage der Baracken sind gezählt, endgültig.» Für vier Schulzimmer trifft das zu: Sie müssen bald Parkplätzen weichen. Bei den Baracken 5 bis 8 wird aber nicht so schnell gezählt. Wie beurteilen Sie persönlich diesen Entscheid?
Chantal Roth: Da wir davon ausgehen, dass die Schülerzahlen aktuell einen Höhepunkt erreichen und später wieder leicht zurückgehen könnten, sind wir dem Regierungsrat für seinen Entscheid äusserst dankbar. Dieser Entscheid hilft uns, die Übergangszeit bis zur Sanierung des Hauptgebäudes zu überbrücken. Solange die Mediothek im Hauptgebäude die einzige grössere Aufenthaltsfläche bleibt, sind zusätzliche Ausweichmöglichkeiten sehr wertvoll. Diese bieten die Baracken. Zwar sind sie energetisch wenig effizient, doch wenn sie nicht mehr regulär im Stundenplan belegt sind, können sie flexibel genutzt werden. An heissen Tagen können die Schülerinnen und Schüler beispielsweise problemlos ins Freie ausweichen.
Die Baracken, die stehen bleiben, sollen als Aufenthalts- und Arbeitsräume genutzt werden können. Wie wird die Nutzung konkret geregelt sein?
Chantal Roth: Bis Ende Januar 2027 werden die Baracken noch als reguläre Unterrichtsräume genutzt. Die konkrete zukünftige Nutzung wird die Schulleitung bis Herbst 2026 festlegen. Klar ist, dass die Räume als Aufenthalts- und Arbeitsorte und somit als Ergänzung zur Mediothek genutzt werden.
Das Hochbauamt wird die Gebrauchstauglichkeit der Räume bis Ende Januar 2031 überprüfen. Danach könnte die Nutzung maximal um fünf Jahre verlängert werden. 2036 ist definitiv Schluss mit den Baracken. Wird dann das Hauptgebäude saniert sein und über entsprechende Arbeits- und Aufenthaltsräume verfügen?
Chantal Roth: Das hoffen wir sehr. In den vergangenen Jahren wurden einzelne notwendige Massnahmen mit dem Hinweis auf eine bevorstehende Gesamtsanierung aufgeschoben. So wurden beispielsweise Leuchtkörper lange nicht ersetzt, bis sie aus energietechnischen Gründen gar nicht mehr hergestellt wurden. Für uns ist deshalb zentral, dass bei einer weiteren Verschiebung der Gesamtsanierung einzelne Elemente daraus vorgezogen und umgesetzt werden.
Die Baracken sind zwischen 1965 und 1971 erstellt worden. Für ein Provisorium haben sie ein stattliches Alter erreicht. Für einige sind sie ein Running Gag («Immer noch da?»), für andere das heimliche Wahrzeichen der Kanti («Immer noch da!»). Was glauben Sie: Kann die Kanti wirklich ohne?
Chantal Roth: Ja, das kann sie – vorausgesetzt, die Schülerzahlen steigen nicht stärker als prognostiziert und das Hauptgebäude wird wie geplant saniert. Dann stehen genügend Unterrichts-, Arbeits- und Aufenthaltsräume in den regulären Schulgebäuden zur Verfügung.
Fragen: DUL / Bilder: KF