Schulfinale im Poetry Slam

Wenn Texte im Scheinwerferlicht zu leben beginnen

Gioia Wohlgensinger (3mf) und Max Giacomuzzi (4mz) haben am Mittwoch, 28. Oktober, das Schulfinale im Poetry Slam gewonnen. Sie fahren ans grosse Finale der Ostschweizer Mittelschulmeisterschaften in St. Gallen – und vertreten dort am 26. November die Kanti Frauenfeld.

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Malt mit Wörtern Bilder im Kopf der Zuhörenden: Ivan Zehnder (4mb).

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Unter grossem Applaus steigt Alessia Iacovelli (3mf) die paar Stufen zur Bühne hoch. Sie geht zum Mikrofon, dann steht sie im Scheinwerferlicht. Alle Blicke sind auf sie gerichtet. Im Publikum sitzen acht Klassen, dazu Schülerinnen und Schüler aus weiteren Klassen, Geschwister, Eltern, Grosseltern, Lehrpersonen, insgesamt über 200 Personen. Da steht Alessia also, allein auf der Bühne, als erste Poetin des Abends, und beginnt mit Performance ihres Slamtexts: Er dreht sich um die Hassliebe zum Handy.

«Freiheit sollte keine Glückssache sein»

Alessia ist eine von 13 Schülerinnen und Schülern, die an diesem Mittwochabend auf der Poetry-Slam-Bühne stehen und deren Texte von einer Publikumsjury bewertet werden. Fürs Schulfinale qualifiziert haben sich alle 13 Poetinnen und Poeten in klasseninternen Wettbewerben, die im Deutschunterricht durchgeführt worden sind. Und so kommen sie auf die Bühne, eine nach dem anderen, und performen Texte über das Erwachsenwerden und über Liebeskummer, über den fehlenden Papi und über die Lage der Frauen in Afghanistan. «Freiheit», slammt Yasmin Cocco (3mf), «sollte keine Glückssache sein.»

Ein wiederkehrendes Thema ist der Blick auf die Welt durch Kinderaugen. In einem lyrischen Text stellt Ivan Zehnder (4mb) einen Blumenstrauss ins Zentrum, dessen farbige Schönheit nur Kinder wahrnehmen. Und Angelica Serpa (4mz) beginnt mit einer Kinderzeichnung, die ihr kürzlich in die Hände gefallen sei: Wiese, Blüemli, Sonne. Wie einfach (und wie einfach zu zeichnen) die Welt doch einmal war!

In den Texten und Performances steckt viel Herzblut

Es ist beeindruckend, wie viel Mut die Schülerinnen und Schüler haben, vor so vielen Menschen auftreten, und wie sie es wagen, auch schwere und persönliche Themen anzusprechen. Und wie viel Herzblut in ihren Texten und Performances steckt! Nur ein Schüler überschreitet die Grenzen des Anstands und lotet die Grenzen von Kunst- und Redefreiheit aus. Doch dieser Text wird in den Schatten gestellt – von zwölf berührenden, witzigen und tiefgründigen Beiträgen, die wir gern alle nochmals am 26. November ab 19 Uhr im Flon in St. Gallen gehört hätten. Dann nämlich steigt das grosse Finale der Ostschweizer Mittelschulmeisterschaften im Poetry Slam.

Das Schulfinale am Mittwoch, moderiert von der Spoken-Word-Künstlerin Ines Strohmaier, war eine Vorrunde dieser Meisterschaften. Ein Ticket nach St. Gallen gewonnen haben Gioia Wohlgensinger (3mf) und Max Giacomuzzi (4mz) mit Texten über die Magie der Kindheit und die Verzweiflung während einer Matheprüfung. Sie werden im grossen Finale gegen Poetinnen und Poeten von fünf weiteren Ostschweizer Mittelschulen antreten – und die Ehre der Kanti Frauenfeld verteidigen.

Bilder: Lukas Diel (4i) / Text: DUL

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Gioia Wohlgensinger (3mf) und Max Giacomuzzi (4mz) vertreten die Kanti Frauenfeld am Finale in St. Gallen.