Schulstart

«Zeigen Sie Interesse»: Was eine Drittklässlerin den Eltern der neuen Schülerinnen und Schüler rät

Der Start an der Kanti ist nicht nur für die Erstklässlerinnen und Erstklässler, sondern auch für die Eltern ein grosser Schritt. Leonie Tischhauser (3mc) hat ihnen im Rahmen eines klassenübergreifenden Schreibanlasses einen Brief geschrieben. Ihre Tipps: sich für das Kind interessieren – und es nicht unter Druck setzen.

Am ersten Schultag ist fast alles neu. Hier ein Bild aus dem letzten Jahr: Die damalige Klasse 1ma lernt mit Webuntis den digitalen Stundenplan kennen.

Sehr geehrte Eltern

Nach den Sommerferien beginnt für Ihre Kinder ein neuer Lebensabschnitt. Sie werden die Kantonsschule in Frauenfeld besuchen. Bei einer solchen Veränderung sind immer unterschiedliche Gefühle im Spiel. Vor allem als Eltern hat man Respekt und vielleicht auch ein bisschen Angst davor, wie man sein Kind auf diesem neuen Abschnitt unterstützen kann. Ich besuche mittlerweile seit fast zwei Jahren die Kantonsschule und hoffe, dass ich Ihnen Ihre Bedenken nehmen kann.

Zu Beginn möchte ich sagen, dass der Wechsel von der Sekundarschule an die Kantonsschule einige Veränderungen mit sich bringt. Falls Sie ausserhalb von Frauenfeld zu Hause sind, muss sich Ihr Kind auf einen neuen, vielleicht etwas längeren Schulweg einstellen. Am besten schauen Sie mit Ihrem Kind, welche Verbindungen sich gut eignen, und besorgen ein entsprechendes Streckenabonnement. Ein weiterer Punkt ist das selbständige Lernen und Interesse zeigen. Ihnen muss bewusst sein, dass Ihr Kind sich freiwillig für diesen Weg und den damit verbundenen Aufwand entschieden hat. Das Tempo des Unterrichts ist etwas zügiger als in der Sekundarschule, und deshalb ist es wichtig, dass Ihr Kind von Beginn an dabei ist. Im Allgemeinen wird Ihr Kind in dieser Zeit selbständiger werden. Infos zu Anlässen und Sondertagen werden direkt an die Schüler geschickt, welche die Mails auf ihrem iPad erhalten. Für Ihr Kind ist das die perfekte Gelegenheit zu lernen, wie Termine und Abgaben selbst organisiert werden können. Sie sehen also, es gibt einige Veränderungen, doch ganz bestimmt nichts, was Sie und Ihr Kind nicht meistern könnten.

Ganz im Gegenteil. An der Kantonsschule erwartet neue Schüler ein offenes und motiviertes Lehrerteam, auf dessen Unterstützung Sie sich voll und ganz verlassen können. In der ersten Woche hat man genügend Zeit, sich einzuleben, die Räumlichkeiten sowie Lehrpersonen und Mitschüler kennenzulernen. Ich bin mir sicher, Ihr Kind wird sich schnell einleben und sich auf Anhieb wohlfühlen an unserer Schule. Nach den ersten aufregenden Wochen wird sich dann von alleine der normale Schulalltag einpendeln. Doch während der vier Jahre können sich Schüler trotzdem auf viel Abwechslung freuen. Man erlebt spannende Klassenlager, Sonderwochen, in denen jedes Kind seinen eigenen Interessen nachgehen kann, oder die Möglichkeit, Sprachaufenthalte zu besuchen.

Sie als Eltern versuchen natürlich während dieser Zeit, Ihr Kind immer bestmöglich zu unterstützen. Aus eigener Erfahrung möchte ich an dieser Stelle gerne einfach zwei Dinge sagen, die mir persönlich wichtig sind: Zeigen Sie Interesse, und setzen Sie Ihr Kind nicht unter Druck. Auch wenn Ihr Kind älter wird und sich vielleicht nach der Schule direkt in sein Zimmer verzieht: Fragen Sie nach dem Schulalltag nach Fächern und aktuellen Projekten. So bekommen Sie Dinge mit und können bei Bedarf Unterstützung anbieten. Wichtig ist dabei aber, dass Sie Ihr Kind nicht stressen. Das Niveau hier an der Kanti ist hoch, und wenn es ab und zu mal einen Ausrutscher gibt, ist das auch kein Weltuntergang.

Nach den Sommerferien besucht Ihr Kind also die Kantonsschule. Sie als Eltern dürfen Ihre Kinder auf diesem Abschnitt begleiten, und ich bin mir sicher, dass Ihr Kind diesen Weg mit Bravour meistern wird.

Freundliche Grüsse
Leonie Tischhauser

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Hintergrund: Schreibanlass der Fachschaft Deutsch

Im zweiten Gymi-Jahr treffen sich alle Klassen am Schreibanlass der Fachschaft Deutsch. 2026 hat die Aufgabe darin bestanden, einen Brief an die Eltern der neuen Erstklässlerinnen und Erstklässler zu schreiben: «Was genau erwartet ihre Kinder an unserer Schule? Was wird sich von der Sekundarschule unterscheiden und wie können die Eltern ihre Kinder bestmöglich unterstützen?»

90 Minuten stehen zur Verfügung, um im Prüfungsmodus einen Text zu schreiben. Korrigiert wird der Brief nicht von der Deutschlehrperson der Klasse. Die Klassen erhalten so ein Feedback von einer weiteren Fachperson, und die Lehrerin bzw. der Lehrer der Klasse tauscht sich mit der zweiten Deutschlehrpersonen über die Texte aus. Diese Tandems erarbeiten zuhanden der Klassenkonferenz fundierte Vorschläge, welche Schülerinnen und Schüler im dritten Jahr den Förderkurs Deutsch besuchen sollten.

Die Anforderungen an die Schreibaufgabe sind in der Aufgabenstellung festgehalten. Der Text soll inhaltlich klar strukturiert, sprachlich korrekt, prägnant formuliert und gut verständlich sein. Stellvertretend für die vielen überzeugenden Texte hat die «pause» den Brief veröffentlicht, den Leonie Tischhauser (3mc) am Schreibanlass im Frühling geschrieben hat.

Text: DUL / Bilder: MOT