
Wer sind Sie?
Fabienne Hanselmann: Eine zu vielseitig interessierte, von sozialen Kontakten lebende und entsprechend auch immer etwas unruhige Frau.
Was war das Highlight in Ihrer Kanti-Zeit?
Fabienne Hanselmann: Ein einzelnes Ereignis kann ich nicht nennen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir aber der starke Klassenzusammenhalt und die intensive Zeit, die wir gemeinsam erlebt haben. Diese besondere Atmosphäre habe ich später so nicht mehr erlebt.
Stehen Sie mit Ihrer besten Freundin oder Ihrem besten Freund aus der Kanti-Zeit noch in Kontakt?
Fabienne Hanselmann: Ja, ich habe noch mit drei Freundinnen aus meiner Kanti-Zeit regelmässig Kontakt.
Was war das Nützlichste und was das Unnötigste, das Sie an der Kanti gelernt haben?
Fabienne Hanselmann: Am nützlichsten war für mich die Fähigkeit, mich selbstständig in Themen einzuarbeiten und sie zu verstehen. Am unnötigsten erschien mir damals das Auswendiglernen der Ionentabelle im Chemieunterricht.
Welchen Tipp können Sie heutigen Kanti-Schülerinnen und Schülern geben?
Fabienne Hanselmann: Bleibt offen und neugierig! Ein echtes Interesse an der Welt ist im Leben viel wichtiger als einzelne Fakten, die man irgendwann einmal auswendig gelernt hat.
Hat sich der Berufswunsch aus Ihrer Kanti-Zeit erfüllt?
Fabienne Hanselmann: In die Kanti bin ich gegangen, weil ich damals gar nicht wusste, was ich beruflich machen wollte. Ein erster Berufswunsch war Floristin. Später habe ich jedoch schnell gemerkt, dass ein Jus-Studium für mich spannend sein könnte.
Wie sah ihr beruflicher Weg aus?
Fabienne Hanselmann: Nach dem Studium an der Uni Zürich absolvierte ich zwei Praktika (Gericht und Anwaltskanzlei) als vorgeschriebene Vorbereitung für die nachfolgende Anwaltsprüfung. Danach arbeitete ich als Gerichtsschreiberin in Weinfelden, St. Gallen und Frauenfeld, später als Anwältin, um mit der Geburt der Kinder wieder als Gerichtschreiberin ans Bezirksgericht Frauenfeld zurückzukehren. Nebenbei habe ich eine Zeitlang an der Malerfachschule Sulgen die rechtswissenschaftlichen Grundlagen unterrichtet. Seit bald zwei Jahren bin ich zudem als Ersatzrichterin am Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau tätig. Im Herbst dieses Jahres werde ich das Bezirksgericht Frauenfeld ein zweites Mal verlassen, um wieder als Anwältin zu arbeiten.
Wenn Sie auf Ihre bisherige Laufbahn zurückblicken, gibt es Entscheidungen, die Sie bereuen?
Fabienne Hanselmann: Dass ich ein Stipendium für ein Studienjahr in Berlin nicht angenommen habe.
Welche beruflichen Ziele haben Sie noch?
Fabienne Hanselmann: Ich träume schon lange davon, eine Dissertation zu schreiben. Ob ich das vor dem Pensionsalter noch schaffe, steht genauso in den Sternen wie mein Pensionsalter selbst.
Wann hatten Sie schon richtig Glück?
Fabienne Hanselmann: Mein grösstes Glück war es, in der privilegierten Schweiz geboren zu werden. Es ist schön, dass meine Kinder auch in dieser Sicherheit aufwachsen dürfen.
Wovon haben Sie zuletzt geträumt?
Fabienne Hanselmann: Dass ich mit der Familie in den alten Luftschutzkeller in unserem Haus flüchten musste und ich mich dafür verflucht habe, dass wir uns beim Umbau entschieden haben, das Metallfenster durch ein herkömmliches Glasfenster zu ersetzen.
Wovor haben Sie Angst?
Fabienne Hanselmann: Davor, dass dieser Albtraum wahr werden könnte.
Wie viel sind Sie Wert – in Franken?
Fabienne Hanselmann: Darüber habe ich zuletzt mit meinem neuen Arbeitgeber verhandelt, und wir waren uns nicht ganz einig.
Wofür geben Sie viel Geld aus?
Fabienne Hanselmann: Für den Hufschmied, für Hundekurse (die nur mässig fruchten – ob‘s am Hund oder am Frauchen liegt, lassen wir an dieser Stelle offen) und für unzählige Pflanzen für den Garten, die nicht alle so wachsen, wie sie sollten, was entsprechend weitere Ausgaben zur Folge hat.
Was möchten Sie noch lernen?
Fabienne Hanselmann: Essbare Pilze von nicht essbaren Pilzen unterscheiden zu können – und wenn’s schon nicht klappt, meinem Hund beizubringen, dass er kommen soll, wenn ich ihn rufe, dann soll er wenigstens lernen, Trüffel zu suchen.
Fragen: Thomas Moll
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Steckbrief
Alter: 40
Abschluss: Matura 2004, Schwerpunktfach Wirtschaft und Recht
Studium: Rechtswissenschaften an der Universität Zürich
Jetzige berufliche Situation: Gerichtsschreiberin am Bezirksgericht Frauenfeld und Ersatzrichterin am Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau
Lieblingsmusik: alles, was mich schneller rennen und putzen lässt
Lieblingsgetränk: Kaffee, und davon zu viel
Lieblingsessen: Sushi
Hobbys: Reiten, Joggen mit Hund
Mein ganzer Stolz: meine beiden Jungs (acht und neun Jahre alt)
Mein grösstes Laster: Schokolade, viel Schokolade