
Wobei erwischen wir dich gerade?
Benjamin Brühwiler: Ich bereite das Unterrichtsmaterial für das Amphibienpraktikum vor. Hier habe ich auf einem Rollwagen verschiedene Präparate aus unserer Sammlung zusammengestellt. Der Aufwand hielt sich dieses Mal in Grenzen – ich musste die entsprechenden Präparate nur aus dem Keller holen.
Die Etikette dieses Molches hier sieht ziemlich altertümlich aus!
Benjamin Brühwiler: Ja, genau – die historische Dimension unserer Sammlung überrascht mich auch immer wieder. Daran zeigt sich das Alter der Kantonsschule Frauenfeld: Einige Präparate stammen noch aus dem 19. Jahrhundert. Darunter sind auch Stücke, die heute so nicht mehr hergestellt würden und durchaus ethische Fragen aufwerfen. Beispielsweise haben wir ein Faultier mit seinem Jungtier auf dem Arm – da frage ich mich jeweils, wie solche Präparate zustande gekommen sind.
Du arbeitest als Biologieassistenz. Was ist dein beruflicher Hintergrund?
Benjamin Brühwiler: Biologieassistent ist meine offizielle Stellenbezeichnung. Gelernt habe ich Laborant mit Fachrichtung Chemie. Meine Stellenpartnerin Manon Licheri kommt aus der Fachrichtung Biologie. Gemeinsam teilen wir uns eine Vollzeitstelle.
Was gehört alles zu deinem Arbeitsalltag?
Benjamin Brühwiler: Ein grosser Teil ist die Unterrichtsvorbereitung: Material bereitstellen, Experimente vorbereiten und aufbauen. Dabei arbeiten wir eng mit den Biologielehrpersonen zusammen. So sind wir immer informiert, was gerade Unterrichtsthema ist. In letzter Zeit kochen wir zum Beispiel laufend Agar.
Agar?
Benjamin Brühwiler: Genauer gesagt LB-Agar. Das ist ein nährstoffreiches, mit Agar verfestigtes Medium, das wir mit Wasser aufkochen, autoklavieren (also sterilisieren) und anschliessend zu Platten giessen. Diese Platten dienen im Unterricht als Nährmedium für Bakterien. Kürzlich habe ich sogenannte Abklatschplatten hergestellt: Damit haben die Schülerinnen und Schüler unter anderem Türfallen beprobt, um zu sehen, was anschliessend darauf wächst.
Und da wächst dann so einiges, nehme ich an...
Benjamin Brühwiler: (lacht) Ja, genau – die vielfältige Welt der Mikrobiologie! Als Biologieassistent bin ich sehr vielseitig unterwegs. Gestern war ich beispielsweise in der Kläranlage und habe Klärschlamm organisiert. Ein Klassiker ist auch der Besuch beim Schlachthof, um beispielsweise Augen und Herzen zu holen, die später als Sezierobjekte dienen. Im Keller steht ein grosser Gefrierschrank voller vakuumierter Organe.
Daneben habt ihr auch eine Sammlung lebender Tiere?
Benjamin Brühwiler: Ja, auch sie dienen als Anschauungsmaterial. Heute standen zum Beispiel ein Kronengecko und eine Schlange im Unterrichtseinsatz. Wir haben ein breites Spektrum an lebenden Tieren: Schlangen, Frösche, Spinnen, Mäuse, verschiedenste Insekten und Schnecken, um nur einige zu nennen. Die Betreuung der Tiere übernehmen grösstenteils interessierte Schülerinnen und Schüler.
Ist dabei schon einmal etwas Grusliges passiert?
Benjamin Brühwiler: Naja, der Klassiker ist, dass hin und wieder ein Käfer entwischt. Aber die ausgebrochenen Schlangen kenne ich zum Glück nur aus Erzählungen und nicht aus eigener Erfahrung!
Interview: David Thalmann / Bild: Lukas Diel
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Dieses Interview ist gekürzt im Frühling 2026 in der Printausgabe der «pause» erschienen.