
Es ist später Nachmittag geworden. Die Sonnenstrahlen brechen gerade durch die Wolken und tauchen die Mediothek in ein warmes Licht. Dort sitzt Loa Bütikofer (3md) an einem grossen Holztisch und arbeitet an Aufgabe 39.

Loa kommt nicht weiter. Sie geht auf Angelo Lombardi zu, zeigt ihre Notizen, tippt auf eine Stelle und fragt: «Wo muss ich diese Zahl einsetzen?»
Angebot für alle Schülerinnen und Schüler
Angelo Lombardi ist eigentlich Physiklehrer, aber er kann natürlich auch Fragen zur Vektorgeometrie beantworten. Er betreut mit Mathematiklehrer Andy Risch den Lernraum, der für alle offen ist. Jeweils 90 Minuten (oder länger) stehen Risch und Lombardi zur Verfügung, die aktuellen Zeiten werden online und auf den Infoscreens im Schulhaus veröffentlicht (im Herbstsemester 2026/27 ist der Lernraum am Dienstag- und Mittwochnachmittag von 16 bis 17.30 Uhr offen).
An diesem Dienstag ist es ruhig. Eben war noch ein anderer Schüler da, jetzt ist Loa allein. «Ich mag das», sagt sie. «So hat der Lehrer mehr Zeit.» Und Lombardi wiederum mag die konkreten Fragen der Schülerinnen und Schüler im Lernraum. Schwierig werde es nur, wenn sieben Leute da seien, die am Tag darauf eine Prüfung haben. «Dann kann ich sie nicht gleich gut betreuen», sagt Lombardi. Darum schätzt er es, wenn Schülerinnen und Schüler möglichst frühzeitig vorbeischauen.
Der Lernraum stärkt die Chancengerechtigkeit
In der Zwischenzeit hat Loa weitergerechnet. «Es stimmt noch immer nicht», sagt sie. Angelo Lombardi runzelt die Stirn. «Jetzt müssen wir dahinter», sagt er. «Warum minus zwei? Oder ist das kein minus zwei?»
Den offenen Lernraum gibt’s seit Oktober 2023. Er stärke die Chancengerechtigkeit, sagt Rektorin Chantal Roth. Die Rückmeldungen seien durchweg positiv. Das Angebot fänden auch jene gut, die es nicht regelmässig nutzen. «Entscheidend ist für mich nicht die Zahl der Anwesenden an einem Nachmittag, sondern dass die Schülerinnen und Schüler, die den offenen Lernraum nutzen, von der Unterstützung profitieren.»
Von Anfang an dabei war Andy Risch. Angelo Lombardi ist etwas später hinzugestossen; er hat die Aufgabe von Geschichts- und Russischlehrer Dimitrije Prica übernommen. Der Wechsel bot sich an, weil deutlich geworden ist, dass die meisten Schülerfragen die Fächer Mathematik und Physik betreffen.
Lombardi schaut wieder auf Loas Notizen. «Jetzt haben Sie andere Werte bekommen, oder?» Die Schülerin nickt. Der Lehrer ist beeindruckt. «Sie rechnen schnell.» Die Schülerin lacht. «Ja, eher zu schnell», sagt sie. Dann scannt sie den Lösungsweg mit dem Handy. ChatGPT meint: Der erste Teil stimmt, Loa ist erleichtert. Aber der zweite noch nicht. Das heisst: Sie muss nochmals über die Bücher.
Aha-Momente motivieren die Schülerinnen und Schüler
Für Angelo Lombardi ist es wichtig, dass Schülerinnen und Schüler Aha-Momente er- leben. Das motiviere sie. «Denn manchmal muss ich schauen, dass es nicht in den Frust kippt», sagt er. «Mathematik ist Knochenarbeit.» Im Gegensatz zur Physik, wo vielfach Fragen zu zentralen Begriffen auftauchen würden, müsse man in Mathematik vor allem eines: üben, üben, üben. Das erfordere Hartnäckigkeit.
Hartnäckigkeit stellt Loa an diesem Nachmittag unter Beweis. Doch jetzt atmet sie hörbar auf. Ihre Lösung entspricht der Musterlösung:

Wo lag das Problem? Ein simpler Rechenfehler, sagt Loa. Sie habe sich bei einer Addition verzählt.
Text: DUL / Bilder: zVg, Lukas Diel
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Dieser Text ist in der Printausgabe der «pause» (Nummer 6, Frühling 2026) erschienen. Die Fotos, die Lukas Diel gemacht hat, sind für die Onlineversion entstanden. Sie zeigen Chiara Strahm (1fd), Ladina Obrist und Johanna Boltshauser (beide 2ma) im Gespräch mit Angelo Lombardi.








