Podcast

«Viele haben Angst, etwas zu verpassen. Darum sind sie ständig auf Social Media – und verpassen vieles»

Einen Podcast machen und diesen vermarkten: Dieses Projekt verfolgt Alina Karimani (3mb) im Rahmen ihrer Maturitätsarbeit. Im Interview spricht sie über Deepfakes, das Thema ihres Podcasts, und über ein Thema, das viele Jugendliche interessiert: FOMO, die Fear of missing out.

Alina, Sie machen einen Podcast über Deepfakes – und stellen darin diese Frage gleich selbst: Können wir unseren Augen und Ohren noch trauen?

Alina Karimani: Ja, solange wir unseren Verstand mitbenutzen. Wenn man aber unkritisch konsumiert, dann darf man den Augen und Ohren nicht mehr vertrauen. Nicht nur, weil man sich in einer Bubble befinden könnte und durch die Algorithmen nur bestimmte Inhalte vermittelt bekommt. Sondern auch, weil Deepfakes darunter sein könnten.

Unter Deepfakes versteht man Bilder, Videos und Audioaufnahmen, die mittels KI verändert bzw. komplett künstlich hergestellt worden sind. Was ist so problematisch daran?

Alina Karimani: Deepfakes sind oft so realistisch, dass Leute es nicht merken oder nicht merken wollen, dass es Deepfakes sind. Oft finden die Leute diese Bilder und Videos lustig. Aber spätestens, wenn Infos falsch sind und Leute es trotzdem glauben, erhalten sie eine falsche Sicht auf die Welt. Und sie werden anfällig für Propaganda. Natürlich gibt es auch positive Seiten. Mit Deepfakes kann man künstlerisch tätig werden, man kann ganze Welten erschaffen. Aber eben: Die Problematik ist da.

Haben Sie auch schon Podcasts gehört, bei denen Sie sich unsicher gewesen sind, ob echte Menschen dahinterstecken?

Alina Karimani: Ich selbst höre nicht so viele Podcast. Aber auf Insta habe ich schon viele Bilder gesehen von Frauen, bei denen ich gemerkt habe, dass es sie in Wirklichkeit nicht gibt. Es gibt unzählige Fake-Kanäle, die von Bots bewirtschaftet werden.

Sie machen einen Podcast, hören aber selber nicht so oft Podcasts. Warum?

Alina Karimani: Ich mache einfach gern Podcasts, ich rede gern. Und ich habe Lust, Fakten zusammenzustellen und diese weiterzugeben.

Im Rahmen Ihrer Maturaarbeit haben Sie unter der Schülerschaft eine Umfrage gemacht. Welche Ergebnisse haben Sie besonders überrascht?

Alina Karimani: Dass die Schülerinnen und Schüler vor allem über Instagram auf neue Podcasts stossen. Und schön gefunden habe ich, dass alle sich so viel Mühe gegeben haben, mir gute Antworten zu geben. Bei der letzten Frage haben viele eine lange Antwort gegeben, welches ihr Lieblingsshow ist und warum.

Was hören viele Schülerinnen und Schüler?

Alina Karimani: «Die Nervigen», «Edeltalk», «Dick und doof», «Hobbylos» – das sind die meistgenannten Podcasts.

Die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler ist laut Ihrer Umfrage der Meinung, Podcasts müssten ein gutes Gefühl vermitteln. Die Hosts sollen locker drauf sein und wie Freunde sein. Was macht für Sie den Reiz von Podcasts aus?

Alina Karimani: An Podcasts gefällt mir, dass man mit der Stimme angenehme Gefühle vermitteln kann. Ich finde es spannend, die richtigen Wörter zu finden, und ich finde es schön, für die Hörerinnen und Hörer etwas zu tun.

Welches sind die Themen, die bei der Schülerschaft am besten ankommen?

Alina Karimani: FOMO & JOMO sind wichtige Themen, also «Fear of missing out» und «Joy of missing out». Viele haben Angst, etwas zu verpassen, und sind darum ständig auf Social Media und verpassen gerade dadurch vieles. Die Gegenbewegung ist JOMO, da geht’s um den bewussten Verzicht auf gewisse Sachen. Insgesamt zeigt sich in meiner Umfrage, dass Medien ein sehr wichtiges Thema für Junge sind.

Auch Deepfakes sind ein Medienthema. Warum haben Sie darüber einen Podcast gemacht?

Alina Karimani: Wegen Instagram. Ich habe einen Post von SRF gesehen. Da hält eine Hand ein Schild, auf dem steht: «Mein Körper gehört mir – auch digital» Der Hintergrund ist ernst, das wir auch in einem weiteren Post von der «Tagesschau» deutlich: Aus Bildmaterial von Schweizer Influencerinnen sind pornografische Deepfakes gemacht worden. Das hat mich zum Nachdenken gebracht, und darum geht’s auch in der dritten Folge meines Podcasts.

Die zweite Folge trägt den Titel «Wenn der Staat zu spät kommt». Können wir nichts mehr unternehmen gegen Deepfakes?

Alina Karimani: Doch, definitiv. Der Staat kann handeln.

Wie genau?

Alina Karimani: Wichtig ist, dass Deepfakes ernst genommen werden. In der Schweiz ist bisher auf bestehende Gesetze zurückgegriffen worden. Unterdessen prüft der Bundesrat aber, spezifische Gesetze gegen Deepfakes zu erlassen. Das Thema wird immer grösser.

Haben Sie sich überlegt, ob Sie das überhaupt wollen – Ihr Gesicht und Ihre Stimme hochladen?

Alina Karimani: Absolut. Ein Bild und 30 Sekunden Sprechzeit reichen, damit mit meiner Identität Deepfakes erstellt werden können. Ich bin aber zum Schluss gekommen, dass auch ich das Recht habe, das Internet zu nutzen.

Das klingt etwas rebellisch, nach «jetzt erst recht».

Alina Karimani: Ja, ich finde, wir sollten uns nichts nehmen lassen! Und es ist wichtig, dass all unsere Identitäten auch im Internet geschützt sind.

Interview: DUL / Bilder: zVg

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Link zum Podcast

Alina Karimanis Podcast «Let’s Talk Klartext» findet sich hier auf Spotify, und hier gibt es einen Teaser, der für die zweite Folge wirbt.